Newsletter März/April 2013
Themen:
- BEA Reinickendorf nimmt Stellung zum Schulessen
- Inklusive Schule – Empfehlungen des Beirats
- Inklusion – was bedeutet das?
- Schulentwicklungsplanung – Grundschulen
BEA Reinickendorf nimmt Stellung zum Schulessen
Der BEA Reinickendorf hat in seiner letzten Sitzung einen Beschluss gefasst, mit dem er die Bemühungen des Senats für eine Qualitätsverbesserung des Essens an Grundschulen begrüßt.
Allerdings sollte allen Schülerinnen und Schülern an allen Schulen ein qualitativ hochwertiges und bezahlbares Mittagessen angeboten werden. Dies muss integraler Bestandteil von Schule als Lern- und Lebensort werden.
Ein gemeinsames Mittagessen hat auch einen hohen pädagogischen Wert und muss selbstverständlicher Teil des Schultages sein. Hier sind auch die Schulen selbst gefordert, dies je nach ihren räumlichen Möglichkeiten und auch im Stundenplan zu organisieren. Und wo möglich, soll an Schulen vor Ort frisch gekocht werden. Die Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler fördert das Verständnis für Qualität des Essens. Schulküchen, soweit noch vorhanden, dürfen nicht weiter falsch verstandener Sanierung zum Opfer fallen.
Bedauerlich ist, dass sich die öffentliche Diskussion fast ausschließlich auf finanzielle Fragen und die Höhe der Elternbeiträge beschränkt. Wichtig ist natürlich, dass das Essen für alle bezahlbar ist und niemand aus finanziellen Gründen ausgeschlossen sein darf, wie auch in dem genannten Beschluss betont wird. Hier ist der Senat gefordert, ein Modell für Elternbeiträge zu finden, das auch für Familien mit mehreren Kindern unabhängig von ihrem Einkommen leistbar ist.
Der BEA Reinickendorf hatte sich seit Oktober vergangenen Jahres intensiv mit den Vorschlägen der Senatsschulverwaltung zur Verbesserung der Essensqualität auseinander gesetzt. Dabei wurden weitere dringende Verbesserungen entsprechend dem Bedarf angemahnt. Der Schultag ist für alle Kinder länger geworden. Die Beschränkung eines warmen und qualitativ hochwertigen Essensangebotes auf die Kinder in den Grundschulen und dort de facto nur für diejenigen Kinder, die an der Hortbetreuung teilnehmen, wird dem Bedarf nicht gerecht. hvm
Inklusive Schule – Empfehlungen des Beirats
Mit Spannung wurde am Freitag, 22.2.13 die Presseerklärung von Bildungssenatorin Sandra Scheeres und Sybille Volkholz (Vorsitzende des Beirates „Inklusive Schule in Berlin“) erwartet. Sie stellten die Empfehlungen zur Überarbeitung des Senatskonzeptes vor, die in dem Inklusionsbeirat seit Mai 2012 zu dem Konzept „Inklusive Schule“ vom Januar 2011 erarbeitet wurden.
Schauen wir einmal zurück: Im Jahr 2006 verabschiedete die UN die Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Ziel der Konvention ist es, ihnen die Teilhabe an allen gesellschaftlichen Prozessen zu garantieren. In den folgenden Jahren unterzeichneten 153 Mitgliedsstaaten (Stand 2012) die Konvention und verpflichteten sich somit, in allen gesellschaftlichen Bereichen Bedingungen zu schaffen, die die Interessen und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen berücksichtigen. Ein wichtiges inklusiv zu gestaltendes Recht ist dabei das Recht auf Bildung. In Deutschland ist die UN-Konvention seit März 2009 gültig. Seitdem diskutieren Fachleute und Betroffene darüber, wie Inklusion wirklich gelingen kann. Im Januar 2011 wurde in Berlin das Senatskonzept „Inklusive Schule“ vorgelegt, was dann viel Kritik erfahren hat. Deshalb wurde nach sechs Konsultationsgesprächen im Mai 2012 der Beirat „Inklusive Schule in Berlin“ von Senatorin Scheeres einberufen mit dem Ziel, Änderungen, Ergänzungen und Vorschläge unter Berücksichtigung der vielen Stellungnahmen zu erarbeiten. Das Ergebnis sind nun 20 Empfehlungen zur Überarbeitung des Senatskonzeptes „Inklusive Schule“ des Beirats, die am 22.2.13 veröffentlicht wurden.
Nachzulesen sind das Gesamtkonzept „Inklusive Schule“ und die 20 Empfehlungen des Beirates unter:
Inklusion – was bedeutet das?
Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Einschluss“, „Enthalten sein“. Inklusion bezeichnet also einen Zustand der Zugehörigkeit aller Menschen zur Gesellschaft.
Im Bereich der Bildung versteht man unter Inklusion den Grundgedanken, dass alle Kinder/ Jugendliche das Recht auf gemeinsame Erziehung und Bildung haben. Im Schulalltag bedeutet Inklusion das gleichberechtigte Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen in einer Lerngruppe. Das Konzept der Inklusiven Schule erkennt die Individualität jedes Kindes innerhalb einer Lerngruppe an und sieht darin sogar eine Bereicherung. Alle Schülerinnen und Schüler bekommen unabhängig von Beeinträchtigungen oder Behinderungen die Förderung und Unterstützung, die sie benötigen. Zur Umsetzung des inklusiven Gedankens muss eine pädagogische Einrichtung so ausgestattet sein, dass sie niemanden ausschließt. Die inklusive Schule ist vom Grundsatz her eine Schule, die allen Kindern und Jugendlichen, ungeachtet ihrer individuellen Voraussetzungen, gleiche Bildungschancen eröffnet.
Eine inklusive Schule ist – kurz gesagt – eine Schule für alle Kinder!
Schulentwicklungsplanung – Grundschulen
Im Zuge der Aufregung um die Peter-Witte-Schule beschloss die BVV einen Bericht über den aktuellen Sachstand und die Perspektiven der Reinickendorfer Grundschullandschaft erstellen zu lassen. In dem seit Ende 2012 vorliegenden Bericht wurden die in Reinickendorf lebenden Kinder der Jahrgänge 2007 bis 2011, getrennt in 10 Regionen, erfasst, um die zu erwartende Stärke der Einschulungsjahrgänge 2013/2014 bis 2017/2018 zu bestimmen. Dies wurde mit den Kapazitäten der Schulen der jeweiligen Region verglichen. Hierbei zeigte es sich, dass sich in zwei Regionen, Reinickendorf-Ost und Märkisches Viertel, ein drastischer Mangel an Schulplätzen abzeichnet.
In Reinickendorf-Ost steigt die Zahl der Schulanfänger kontinuierlich stark an (zwischen 2012 und 2017 um 34%). Auch wenn aktuell noch ein Raumplus an den fünf Schulen der Region besteht, so fehlen doch ab 2016 Kapazitäten für zwei und ab 2017 für drei Grundschulzüge. Ein dauerhafter Ausbau der Schulen in der Region ist in diesem Umfang nicht möglich und auch nicht wünschenswert. Von einer weiteren Verdichtung an den Schulen in dieser problembeladenen Region ist auch aus pädagogischer Sicht abzuraten. Da auch keine sonstigen Raumkapazitäten zur Verfügung stehen, hat sich mittlerweile bei fast allen Beteiligten der Gedanke durchgesetzt, dass die einzige Lösung in einem Schulneubau besteht. Der Bezirk hat bereits entsprechende Mittel in der Investitionsplanung für einen Neubau am Standort Walliser Straße, also zwischen Fuchsbau und Paul-Löbe-Schule, eingestellt. Unklar ist allerdings, ob diese Mittel vom Land genehmigt werden. Auch wird für den gesamten Vorgang, also bis die Schule genutzt werden kann, ein Zeitraum von mindestens 5 Jahren abgeschätzt. Insofern ist für die Zwischenzeit eine (hoffentlich) temporäre Nutzung mobiler Unterrichtsräume an einem der bestehenden Standorte wahrscheinlich.
Im Märkischen Viertel zeichnet sich ebenfalls ein starker Mangel an Schulplätzen ab. Auch hier ist die Zahl der Kinder gestiegen. Anders als in Reinickendorf-Ost, steigt die Zahl allerdings laut der Prognose nicht mehr an, sondern verharrt auf hohem Niveau und sinkt zum Schuljahr 2017/2018 wieder ab. Das Problem ist hier jedoch auch dringender. Bereits im Jahr 2014/2015 fehlt hier Platz für zwei, 2016/2017 Platz für drei Klassenzüge. Momentan werden mehrere Alternativen geprüft.
Neben der Erweiterung der Chammisso-Grundschule oder der Grundschule an der Peckwisch ist die Nutzung vorhandener Raumkapazitäten der Thomas-Mann-Oberschule im Gespräch. Dort könnte eine neue Grundschule, eventuell mit Nutzung von Räumlichkeiten des benachbarten Fontane-Hauses, gegründet werden. Eine weitere Möglichkeit, die diskutiert wird, ist der Umzug der Märkischen Grundschule, die als Europaschule keinen Einzugsbereich hat, des Atriums oder des Förderzentrums der Lauterbach-Schule in die leerstehende Schule in Heiligensee. Die freiwerdenden Räume könnten dann für eine neu zu gründende Grundschule genutzt werden.
Die Grundschulsituation ist aktuell das beherrschende Schulthema in Reinickendorf. Dieses Thema wird sowohl in der BVV, den Parteien als auch in den relevanten Gremien diskutiert. Der BEA hatte dazu im Januar eine temporäre AG gegründet, die bereits zweimal getagt hat. Natürlich (oder leider) haben wir auch in dieser Runde keine Lösung gefunden, die alle zufrieden stellt. Wir haben in der Runde die Sorgen der Eltern der betroffenen Schulen diskutiert aber auch die Positionen der nicht vertretenen Schulen bedacht. Wir konnten aber Kriterien entwickeln, nach denen die Lösungsvorschläge bewertet werden sollten:
- Möglichst kein Umzug bestehender Institutionen:
Bevor es zu einem Ringtausch kommt und bestehende Institutionen in freie Raumkapazitäten umziehen, um Platz für eine Neugründung zu schaffen, ist es sinnvoller, die Neugründung gleich in den neuen Räumen durchzuführen - Nachhaltig Bauen und auf flexible Nutzungsmöglichkeiten achten
In den beiden betroffenen Regionen ist es zu einem starken Wachstum von Familien mit kleinen Kindern gekommen. Es ist aber durchaus möglich, dass diese Familien nun längerfristig dort wohnen bleiben, die Kinder dem Grundschulalter entwachsen und in 10-20 Jahren aus dem Mangel an Grundschulplätzen ein Überangebot wird. Daher ist es wichtig, wenn neu gebaut wird, gleich so zu planen, dass ein Gebäude später auch für den Oberschulbereich nutzbar ist. Daher scheinen größere Schulstandorte, die Grund- und Oberschule umfassen sinnvoll. Dies gilt sowohl für die angedachten Lösungen eines Neubaus in der Nähe der Paul-Löbe-Schule und einer Neugründung in der Thomas-Mann-Oberschule, als auch für eventuelle Alternativen in der Nähe der Bettina-von-Arnim-Oberschule oder auf dem Campus der Gemeinschaftsschule Hanna-Höch. - Synergien nutzen und Baumaßnahmen zusammenfassen
Sollen Schulen ausgebaut werden, so benötigt man nicht nur mehr Klassenräume. Es werden auch in anderen Bereichen mehr Kapazitäten benötigt, beispielsweise in der Mensa, bei der Hortbetreuung oder den Sporthallen. An einigen Schulen im Märkischen Viertel sind bereits Baumaßnahmen in diesen Bereichen geplant. Bei der Auswahl eines Standorts für eine etwaige Erweiterung sollte dies mit bedacht werden und alle Planungen von Anfang an aufeinander abgestimmt werden. PH
V.i.S.d.P.:
Cornellia Briese
BEA-Schule-Reinickendorf