Newsletter Mai/Juni 2013

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Themen:

  • Schulraum: Öffentliche Beteiligung über Nacht ausgehebelt - Inklusion in Reinickendorf nur ein Sparmodell?
  • Inklusion in Reinickendorf
  • Übergangsregelungen

Schulraum: Öffentliche Beteiligung über Nacht ausgehebelt - Inklusion in Reinickendorf nur ein Sparmodell?

Der Schulausschuss der BVV Reinickendorf hat auf seiner Sitzung am 15.Mai überraschend beschlossen, wie mit „neuen Berechnungsgrundlagen“ der Raumnot an Grundschulen begegnet werden soll. Die Zahlen über den Raumbedarf, die im Dezember für die „breite öffentliche Beteiligung“ vorgelegt und noch im April im BEA beschworen wurden, gelten über Nacht nicht mehr.

Im Märkischen Viertel (und nur dort) wird ab sofort davon ausgegangen, dass nur 85% der im Einzugsgebiet wohnenden Kinder in die entsprechende Schule gehen. Auch reichen dort ab jetzt 10,5 Räume pro Zug statt der 11,5 Räume nach Musterraumprogramm. Damit sinkt der Raumbedarf schlagartig um 25%. Anders gesagt: Die vorhandenen Räume reichen für 25% mehr Kinder im Einzugsgebiet.

Der Aufruf zu breiter öffentlicher Beteiligung entpuppt sich damit als Farce, denn die über Nacht eingeführten „neuen Entscheidungsgrundlagen“ bekamen die Vertreter von BSB und BEA demonstrativ erst nach der Diskussion und Beschlussfassung im Schulausschuss überreicht. Die gesamte öffentliche Beteiligung eines halben Jahres wurde kassiert!

Mit welchen Maßnahmen an welchem Standort wie viele Plätze geschaffen werden, bleibt dabei völlig unklar:

- Die Märkische Grundschule nimmt ab 2014/15 in den bestehenden Räumen einen Regelzug auf. Dazu wird sie spätestens im Jahr 2016/17 nur noch eine zweizügige Europaschule anbieten können, um den deutschen Regelschulzweig zu versorgen. Das bedeutet dann aber, dass sie Kinder ablehnen muss, auch solche, die direkt aus dem Kiez kommen.

- Der Standort Lauterbach soll sich zu einer inklusiven Grundschule entwickeln. Die Sekundarschüler des Förderzentrums werden dazu an die Richard Keller Schule nach Hermsdorf verschoben, „nur so gibt es Raumgewinn“ stellte die Stadträtin am nächsten Tag im BSB klar, eine weitere Prüfung hat sich also erledigt. Die Lauterbachschule selbst hatte angeboten, „eine inklusive Kiezschule mit berufsorientierenden Angeboten von Klasse 1-10 zu entwickeln.“ Dies wird durch die Verlegung der Sekundarstufe unmöglich gemacht, die jüngeren Förderkinder sollen einfach in größere Klassen gesteckt werden.

Dazu meint die Schule: „In sozialen Brennpunkten ist der Raum als dritter Pädagoge von noch größerer Bedeutung als in Bullerbü-Stadtrandlagen. Auch ein Vollstopfen der Lauterbach-Schule mit zwei weiteren Grundschulzügen überlastet das Haus, verhindert Inklusion durch Entfall von Teilungs-, Fach- und Rückzugsräumen.“

Mit diesem Beschluss, wird die Schulraumnot nicht gelöst, sondern nur auf die schwächsten abgewälzt: Die heute schon überfüllten Grundschulen des Märkischen Viertels sollen noch mehr Kinder aufnehmen, den Förderschülern, die es schwer genug haben täglich an der Schule anzukommen, wird es noch schwerer gemacht: Mit weiten Wegen und heraus aus der sozialen Vernetzung im Kiez. Die von den Schulen selbst entwickelten Konzepte werden ignoriert.

Unter dem Deckmantel der Inklusion werden damit einfach Räume eingespart, anstatt die baulichen Voraussetzungen zu schaffen, in denen sich inklusive Schulen wirklich entwickeln können.

Der BEA hatte nach viermonatiger Arbeit der AG Schulentwicklung Kriterien und Vorschläge vorgelegt, darunter eine neue Grundschule in freien Raumkapazitäten an der TMO oder den Ausbau des Standortes Chamisso/Lauterbach.

An der TMO sind nach Musterraumprogramm bereits heute rd. 20 Räume frei, ab 2016/17 jedes Jahr noch ein paar mehr. Nach Besichtigung wurde entschieden, dass man die aber nicht nutzen könne.

Die Grundschulen im MV sind nach Musterraumprogramm bereits heute überfüllt. OHNE Besichtigung wurde entschieden, dass trotzdem mit neuen Berechnungsgrundlagen bis zu 25% mehr Kinder im Einzugsgebiet reinpassen.

Für Reinickendorf Ost wurden vom Bezirksamt bereits sowohl 24 neue Räume als mobile Anbauten an der Kolumbus- und der Hausotterschule beantragt als auch eine neue Grundschule in der Walliser Straße. Beides werden wir nicht bekommen, das heißt die neue Schule wird beerdigt.

Bereits am folgenden Tag im Bezirksschulbeirat (BSB) musste die Stadträtin auf Nachfrage, auf welchen Flächen die Anbauten denn in dem eng bebauten Gebiet entstehen sollen, einräumen, dass dafür zunächst vorhandene Schulräume abgerissen werden müssen, wie viele sei unklar, insofern kann sie den Raumgewinn auch nicht beziffern.

Der BSB lehnt in seiner Stellungnahme vom 16.5. die Anbauten (die nicht einmal zusätzlich sind) daher rundweg ab und fordert, stattdessen die dringend benötigte neue Grundschule weiter zu verfolgen. Außerdem sind die begründeten Vorschläge aus der öffentlichen Beteiligung ernst zu nehmen, die Verengung auf nur zwei Alternativen ist nicht angemessen.

Für Reinickendorf Ost fordert der BEA den Bau einer neuen Grundschule in der Walliser Straße zwischen der Paul-Löbe-Oberschule, Friedrich-Engels-Gymnasium und dem Fuchsbau, die den baulichen Anforderungen an inklusive Schulen gerecht wird.

Für das Märkische Viertel fordert der BEA, dass die vorgelegten begründeten Vorschläge ernsthaft geprüft, mit Zahlen unterfüttert und in die Entscheidungsfindung einbezogen werden.          hvm

Inklusion in Reinickendorf

Unter dem Motto -„Chancen nutzen!, Sonderpädagogische Förderung, Integration und Inklusion in Reinickendorf“ initiierte die Bezirksstadträtin für Schule, Bildung und Kultur Frau Schultze-Berndt zu Beginn des Schuljahres 2012/13 eine Inklusionsrunde im Bezirk.

An dieser Runde nehmen Vertreter der Senatsaußenstelle, des Bezirksschulbeirates, des Bezirkselternausschusses, der BEA-AG Sonderpädagogik, Integration, Teilleistungsstörung, des Bezirksschülerausschusses, der Integrierten Sekundarschule, des Förderzentrums und des Schulamtes teil.

Ziel ist es, nicht auf ein verabschiedetes Senats-Konzept zum Thema Inklusion zu warten, sondern einen Anfang in Reinickendorf zu starten mit konkreten Überlegungen und Handlungen.

Zuerst wurden die Voraussetzungen / der „IST-Zustand“ im Bezirk genau betrachtet und ausgewertet. Kriterien waren die räumlichen Gegebenheiten und deren Auslastung, die Entwicklung der Integrationskinder (Zahlen) mit den jeweiligen Förderschwerpunkten und die Ausstattung der Standorte mit Sonderpädagogen.

Bis zu den Sommerferien soll ein Arbeitspapier auf bezirklicher Ebene erarbeitet werden. Grundlage dafür bietet eine Vorlage der AG-SIT, in der die Vorstellungen und Voraussetzungen einer inklusiven Schule von Eltern erarbeitet wurden.

Unterstützt wird diese Arbeit immer wieder durch praxisnahe Erfahrungsberichte oder durch Referenten, die z.B. die Empfehlungen des Beirates Inklusion übersichtlich, inklusive des Aufzeigens der noch vorhandenen Mängel, darstellt.

Weiter fand ein erster Gedankenaustausch zu den geplanten Beratungs- und Unterstützungs-Zentren (BUZ) statt, die in jedem Bezirk von Berlin stationiert werden sollen.           cabe

Übergangsregelungen

Im Zuge der Schulstrukturreform wurden auch die Regelungen für den Übergang von der Grund- in die Oberschule verändert. Für das nächste Schuljahr wurde nun zum dritten Mal die Aufnahme nach den neuen Bestimmungen durchgeführt. Im April haben wir dies zum Anlass genommen, dass Thema in der BEA-Sitzung näher zu beleuchten und Erfahrungen auszutauschen.

Positiv an den neuen Regelungen ist auf jeden Fall deren Transparenz. Die Regelungen sind klar und die jeweiligen Aufnahmekriterien der Schulen sind veröffentlicht und somit für alle Eltern nachvollziehbar.

Beratung

Bei der Wahl der Schule haben die Eltern das entscheidende Wahlrecht. Sie bestimmen den Schultyp und wählen die Wunschschule. Diesem Wunsch wird auf jedem Fall entsprochen, solange genug Kapazitäten frei sind. Damit aber die Eltern die bestmögliche Wahl für ihre Kinder treffen können, kommt der Beratung eine zentrale Rolle zu. Um sich über die Oberschule zu informieren gibt es die Tage der offenen Tür sowie die Oberschulmesse. Weiterhin gibt es für alle Schüler der 6. Klasse ein Beratungsgespräch an der Grundschule. Leider beschränkt sich diese Beratung momentan lediglich auf die Frage des passenden Schultyps, also ISS oder Gymnasium.

Sinnvoller wäre es, wenn auch eine Beratung zu einzelnen Schulen stattfinden würde, welches Schulprofil zu dem jeweiligen Kind passt. Dies bedingt aber, dass die beratende Lehrkraft auch die Profile aller Schulen im Bezirk kennen muss, um eine Auswahl entsprechend der Neigungen des Schülers treffen zu können. Hierfür müssten die Lehrer aber entsprechend geschult werden, z.B. durch das Bildungsberatungszentrum des Bezirks im Tegel-Center oder verpflichtende Besuche bei der Oberschulmesse. Ob das Beratungsgespräch von Grundschulseite nur durch den Klassenlehrer geführt werden soll oder an jeder Grundschule eine Lehrkraft zum Spezialisten für den Übergang weitergebildet werden soll, ist eine Frage, über die diskutiert werden sollte.

Aufnahmekriterien

Die Aufnahmekriterien sollen bei Übernachfrage sicherstellen, dass zunächst die Schüler ausgewählt werden, deren Neigungen am besten zum Profil der Schule passen. In der Realität geht es aber vielmehr darum, sich die vermeintlich besseren Schüler zu sichern. Dies ist aus zweierlei Hinsicht problematisch.

Zum einen ist das zentrale Auswahlkriterium meist die Förderprognose, manchmal in Kombination mit einer stärkeren Gewichtung der Noten eines speziellen Fachs. Grundschulnoten werden aber meist sehr subjektiv vergeben und sind oft nicht miteinander vergleichbar.

Darüber hinaus greifen die Aufnahmeregelungen ja nur, wenn weniger Plätze als Bewerber an einer Oberschule existieren. In der Praxis bedeutet das, dass übernachgefragte Schulen sich die Schüler aussuchen können, während andere Schulen alle Schüler aufnehmen müssen. So haben wir beispielsweise in Reinickendorf die Situation, dass die beiden ISS, die das Glück haben, über eine Gymnasiale Oberstufe zu verfügen und daher übernachgefragt sind, sich die besten Schüler herauspicken können. Dies ist mit dem Gedanken der ISS, eine Schule für Alle zu sein, nur schwer in Einklang zu bringen.

Situation in Reinickendorf

An den Gymnasien ist die Situation in Reinickendorf relativ entspannt. Lediglich zwei Schulen, das Friedrich-Engels-Gymnasium und das Bertha-von-Suttner-Gymnasium sind leicht übernachgefragt. Insgesamt sind im Bezirk 10% der Gymnasialplätze frei, so dass 96,5% der Erstwünsche zum Schuljahr 2012/2013 erfüllt werden konnten.

Bei den ISS ist die Situation etwas schlechter. Hier sind drei Schulen stark übernachgefragt. Neben der Gustav-Freitag-Schule, die sehr viel Anmeldungen aus dem Bezirk Mitte erhält, sind mit der Bettina-von-Arnim-Schule und der Max-Beckmann-Schule beide ISS mit gymnasialer Oberstufe im Bezirk sehr stark nachgefragt. Daher können im Bereich ISS auch nur 81,5% der Erstwünsche zum Schuljahr 2012/2013 erfüllt werden.

Zu bemerken ist auch eine Tendenz vom Gymnasium zur ISS, da dort das Abitur erst nach 13 Schuljahren erlangt wird. Betrachtet man also die Elternwünsche, so lässt sich feststellen, dass im Bezirk eine weitere ISS mit gymnasialer Oberstufe fehlt.        ph